Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


tempelakademie_gylravar

Dies ist eine alte Version des Dokuments!


Auszug aus einem Gastvortrag an der Tempelakademie zu Gylravar

(gehalten von den Zwillingsschwestern Mondschein und Sternenglanz)

„Falls ihr aber unsere schöne Heimatstadt und unsere geliebten Wälder verlasst, um euch ein wenig in der Welt umzusehen, wie es einst meine Schwester und ich in jungen Jahren taten, so seid auf der Hut, wenn ihr euch mit den Angehörigen anderer Völker einlasst …“

„Ich kann meiner Schwester nur zustimmen! Mögen Zwerge wegen ihres schier unstillbaren Dursts, Centauren wegen ihres recht ungenierten Umgangs mit ihren Ausscheidungsvorgängen und Halborks wegen ihrer fragwürdigen Ansichten in Bezug auf hinreichende Körperpflege von Zeit zu Zeit rechte Ärgernisse sein, …“

„… so sind diese dennoch harmlos gegen die Schwierigkeiten, die man sich im Umgang mit Kobolden, Ogern und Halblingen einhandelt. Also seid gewarnt! Zur Verdeutlichung möchten wir euch ein paar Erlebnisse aus unserer Abenteurerzeit als Wanderpredigerin und fahrende Zauberin berichten.“

„Eigentlich hätten wir bereits ahnen können, dass die weitere Reise unserer Gruppe unter keinem guten Stern stehen sollte, als wir den diebischen Kobold Goldfinger und den tumben Oger Knuff in Traumburg kennenlernten. Kurz nach unserer Bekanntschaft grassierten nämlich die höchst ansteckenden Purpurpocken in der Stadt, die uns alle auf das Krankenlager warfen. Als wären der schier unerträgliche Juckreiz und das schwächende Fieber nicht genug gewesen, …“

„… mussten wir zu allem Überfluss auch noch das quengelnde Greinen des Kobolds und das ohrenbetäubende Schnarchen des Ogers ertragen. Kaum waren wir genesen, kam es zu einem dummen Missverständnis mit der Stadtwache, die uns aufgrund einer später nicht mehr nachvollziehbaren Verwechslung bei Nacht und Nebel verhaftete, was uns den Verlust unseres einzigen Heiltranks bescherte. Dass der Hauptmann bei unserer Freilassung ein hämisches Grinsen kaum unterdrücken konnte, machte die Sache nicht gerade besser …“

„Eben erst dem Kerker entronnen, konnte sich der goldgierige Kobold beim großen Festtag nicht beherrschen und versuchte, auf höchst unredliche Weise unsere Geldreserven aufzustocken. Als er jedoch bei einem eher stümperhaften Versuch entdeckt wurde, sahen wir uns dazu gezwungen, die Stadt Hals über Kopf in aller Heimlichkeit zu verlassen …“

„Dabei stellten wir zu unserem Erstaunen fest, dass wir den Oger doch tatsächlich stets in die Mitte nehmen mussten, da er sich ansonsten aufgrund seiner höchst beschränkten Geisteskräfte ständig verlaufen hätte. Immerhin ging es danach auf den Wiesen deutlich besser für uns weiter. Eine Auseinandersetzung mit ein paar raubeinigen Strandpiratengoblins brachte uns als Lohn für unseren heroischen Sieg sogar den legendären Zauberhut des Calideus ein, dessen Macht später meiner Schwester und mir das Leben retten sollte …“

„Darauf kommen wir aber etwas später noch zu sprechen. Doch zunächst gilt es zu erwähnen, dass sich in jener Gegend durchaus lukrative Leichenfunde häuften, die zu einer deutlichen Verbesserung unserer Ausrüstung führten … leider mussten wir uns kurz darauf von unseren Waffenröcken verabschieden, die eine höchst unerfreuliche Begegnung mit schneidendem Kristallgras nicht unbeschadet überstanden hatten. Immerhin bewies Knuff bei dieser Gelegenheit eine bemerkenswerte Zähigkeit, da er trotz etlicher tiefer Schnittwunden weiterhin mit uns Schritt halten konnte. Dabei beschwerte er sich weniger als Goldfinger, der noch stundenlang wegen des Verlusts seiner Rüstung vor sich hin maulte.“

„Letztlich wurden wir aber von einer violetten Wolke magischer Gräserpollen aus den Wiesen vertrieben. Da der Oger unter dem Einfluss eines Heuschnupfens geradezu beängstigende Mengen Schleim produzierte, die er aufgrund seiner beeindruckenden Körpergröße beim Niesen im Umkreis mehrerer Schritte verteilte, entflohen wir aus hygienischen Bedenken mit tränenden Augen in Richtung der Ebene …“

„Nach ein paar weniger erzählenswerten Erlebnissen und einem siegreichen Kampf mit einigen Orks verschlug es uns nach Grent. Was kann man darüber berichten … na ja, dort wohnen eben Halblinge: Dicht an dicht liegende Wohnhügel, die kaum über den dichten Qualm des Pfeifenrauchs emporragen, der die gesamte Siedlung einhüllt. Immerhin konnten wir uns mit neuen Rüstungen ausstatten, bevor uns der Klanälteste Balbo zu sich rufen ließ und uns beauftragte, im Ödland zum Wohle Grents nach dem Rechten zu sehen. Unseren Einwand, dass wir für eine Erkundung dieser Gegend noch nicht erfahren genug seien, ließ er schulterzuckend nicht gelten. Immerhin überreichte er uns einen Türkis-Talisman.“

„Von diesem mussten wir auch prompt Verwendung machen, als wir wenig später in diesem unwirtlichen Landstrich in eine Dürreperiode gerieten. Mit seiner magischen Hilfe entkamen wir dieser zwar, aber nur, um der Fußleckerbande in die Arme zu laufen. Zu unserem Leidwesen verloren wir die Auseinandersetzung mit den bloßfüßigen Halblingen. Sie raubten uns nicht nur aus, sondern zwangen uns auch zu einer äußerst erniedrigenden Reinigungstätigkeit an ihren verdreckten Fußsohlen, auf die ich nicht näher eingehen möchte …“

„Auch ich würde diese Erinnerung nur zu gerne aus meinem Gedächtnis streichen! Leider hat sie sich irgendwie festgebrannt … na ja, wie auch immer. Im weiteren Verlauf unserer Reise beschlossen wir jedenfalls, uns zunächst einmal wieder nach Grent zurückzuziehen. Dabei konnte es Knuff es nicht lassen, von einem Beerenstrauch zu naschen. Leider handelte es sich um giftige Früchte. Immerhin überlebte er aber dank seiner außergewöhnlichen Konstitution mit knapper Not.“

„Allerdings hätte es beinahe uns das Leben gekostet, als seine Verdauungsvorgänge aus allen Körperöffnungen Gase strömen ließen, deren Gestank jeder Beschreibung spottete.“

„Herzlichen Dank für diesen Hinweis, geliebte Schwester! Mir wird jetzt noch bei der Erinnerung daran übel …“

„Ich bitte vielmals um Verzeihung, Schwesterherz. Aber nun weiter im Text! Nachdem wir eine Zeitlang orientierungslos zwischen weitläufigen Wohnhügeln umhergestolpert waren, stellten sich uns ein paar abgerissene Halblinge in den Weg. Nach unserer Erfahrung, wie diese gemeinen Schurken mit Verlierern umspringen, ließen wir es sicherheitshalber nicht auf eine Auseinandersetzung ankommen …“

„Doch unsere Vorsicht sollte sich nicht bezahlt machen. In der Ebene gerieten wir nämlich erst recht an eine Bande aus äußerst geübten Halblingsschützen, die uns mit ihren Schleudern unversehens in einen Fernkampf verwickelten.“

„Leider zielte Knuff bei seinem Wurf mit einem seiner geliebten Felsbrocken so schlecht, dass Goldfinger im letzten Augenblick zur Seite springen musste, um nicht selbst getroffen zu werden. Dadurch schlug auch sein eigener Angriff fehl …“

„Als mir klar wurde, dass dieser Kampf durch diese Fehlleistungen für uns ziemlich tödlich enden würde, handelte ich unverzüglich. Dank des zuvor erwähnten Zauberhuts gelang es mir, meine Schwester und mich aus der Gefahrenzone zu teleportieren. Dabei mussten wir leider unsere Gefährten zurücklassen, die im Geschosshagel der Halblinge umkamen …“

„Nachdem wir diesen Tag dank der Geistesgegenwart meiner Schwester überlebt hatten, waren wir in der Auswahl unserer Gefährten ein wenig wählerischer und hielten uns vorzugsweise an unseresgleichen, was sich als recht vorteilhaft erweisen sollte. Aber davon werden wir bei einer anderen Gelegenheit berichten …“

tempelakademie_gylravar.1530686051.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/07/04 08:34 von niceyard